Die Adeli-Experience, Teil 3

Es ist vollbracht. Drei Wochen hartes Training liegen hinter uns, für´s Bärli eher körperlich herausfordernd, für die Mama dafür mental. Wo Rosie an Rumpfstabilität gewonnen hat, habe ich gelernt, ihre „Wackelzahnpubertätsanfälle“ besser zu veratmen, und ich denke, wir können beide stolz auf unsere Leistung sein. Zu Beginn dieses Abenteuers hätte ich erwartet, dass wir auf dem Zahnfleisch hier raus kriechen werden, doch wir verlassen das Bootcamp aufrecht und mit erhobenem Haupt. Yay, us!

Nachdem uns die Umstellung von unserer gewohnten Reha-Umgebung auf das neue Umfeld und das straffe Programm anfangs nicht ganz so leicht von der Hand gegangen ist, wie erhofft, haben wir uns nach drei Wochen doch sehr gut eingelebt. Auch hier kennt man eben mit der Zeit die meisten Mitarbeiter, Patienten und Begleitpersonen, wechselt freundliche, aufbauende Worte, tauscht sich aus, und sitzt nach dem Essen noch ein bisschen zusammen. Die Kellner wissen mittlerweile, dass man ab und zu gerne einen Veltliner trinkt, und die (ausschließlich slowakisch sprechende) Putzfrau liebt einen, nach unzähligen, pantomimischen Gesprächsversuchen, so sehr, dass sie einem anstatt einer Flasche Wasser pro Tag gleich drei ins Zimmer stellt.

Es wird daher Zeit für ein Fazit, das nicht, wie noch in Woche eins, von emotionalen Befindlichkeiten überschattet ist.

Die Therapieintensität ist mit dem, was einem in Österreich (und, soweit ich von den anderen Eltern hier erfahren habe, auch in Deutschland) während einer typischen, neuropädiatrischen Kassen-Reha geboten wird, nicht zu vergleichen.

Zunächst einmal geht es direkt am ersten Tag so richtig los. Klar gibt es eine Erstuntersuchung, und man lernt die diversen Therapeuten kennen, bekommt das Haus gezeigt und schnuppert in ein paar optionale Angebote rein, die man zusätzlich zum Standardprogramm buchen kann. Aber im Wesentlichen hat man bereits am ersten Tag einen gut gefüllten Stundenplan. Im Vergleich dazu konnte es bei unseren bisherigen Rehas durchaus drei bis vier Tage dauern, bis ein einigermaßen akzeptabler Therapieplan stand, und selbst der war in aller Regel noch stark ausbaufähig. Um zumindest hin und wieder auf Therapiezeiten zwischen 150 und 180 Minuten pro Tag zu kommen (was für Rosies Alter laut Klinik eigentlich vorgesehen wäre), musste ich jedes Mal unerfreulich oft, laut und konsequent meckern.

Hier liegen die durchschnittlichen Therapiezeiten zwischen 250 und 300 Minuten, sechs Tage die Woche, und es arbeiten meistens mehrere Therapeuten gleichzeitig mit dem Kind. Und das standardmäßig, ganz ohne elterliche Intervention. Man kann sich also recht einfach ausrechen, wo mehr weiter geht.

Es lassen sich sogar schon Fortschritte beobachten, obwohl der tatsächliche Trainingserfolg erfahrungsgemäß erst einige Wochen nach einer Reha reinkickt. Rosie sitzt stabiler, hält ihren Kopf besser, und tut sich dadurch auch mit dem Rolli leichter, da sie nicht mehr ganz so viel Energie dafür aufwenden muss, ihren Körper gerade zu halten, und sich daher noch ungestörter auf ihre rechte Hand, die den E-Fix bedient, konzentrieren kann. Alles in allem ein äußerst erfreuliches Ergebnis also.

Das Einzige, was ich bekritteln muss, ist die Verköstigung. Das Essen ist einfach eine Frechheit. Nicht für meine Geschmacksknospen, die feiern täglich mehrmals eine ausgelassene Party. Aber meine Figur, die ja ganz generell schon nicht der einer zarten Elfe gleicht, entgleitet mir hier völlig.

Wir befinden uns nämlich in jener Gegend, aus der die Kindermädchen, Haushälterinnen und Köchinnen zu Kaisers Zeiten all jede Rezepte mitgebracht haben, die heute als die besten der ostösterreichischen Küche gelten. Nichts gegen Käferbohnen und Kernöl, wir sind auch auf den bisherigen Rehas satt geworden. Aber hier, im Land der Knödel, des panierten Käses und der Palatschinken, ist es fast nicht möglich, sich zusammenzureißen. Und weil´s so gut ist, und man ja sonst auf Reha eher wenig Freuden hat, muss auch noch ein Nachtisch rein. Nicht, dass noch großartig Platz im Magen wäre, aber wie eine andere Mama hier immer so treffend kommentiert hat: „Man muss sich auch mal quälen können.“ Und puh, das habe ich getan.

Für die nächsten Wochen gibt es Green Smoothies und gedünstetes Gemüse, sonst bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Reha-Uniform, bestehend aus Leggings, Jogginghosen und gemütlich-weiten T-Shirts, zuhause weiter auszuführen, da Hosenknöpfe fürderhin eine nicht zu überwindende Hürde darstellen würden. Aber das ist ein Problem, mit dem ich mich ab morgen beschäftigen werde. Für heute sind wir erst mal glücklich, dass wir es geschafft haben.

Wir treten also in Bälde unseren erfreulich kurzen Heimweg an, und genießen das gute Gefühl, einen wirklichen Schritt in die richtige Richtung gemacht zu haben. Hoffen wir, dass noch viele weitere folgen können. Denn natürlich würden wir gerne wieder kommen, doch zunächst gilt es einmal, abzuwarten, wie viel wir letztlich von der Krankenkasse zurückerstattet bekommen. Das bleibt ja nach wie vor spannend, da wir die Rechnung erst nach Abschluss der Reha einreichen können.

Insgesamt kostet der Spaß hier für drei Wochen nämlich in etwa 9.000 Flocken, und die hat man halt, auch, wenn die Sache es durchaus wert wäre, nicht einfach so unter der Matratze herumliegen. Wobei: dafür bekommen wir ja Pflegegeld. Hatte ich vergessen. Problem gelöst.

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