{"id":380,"date":"2022-01-21T15:57:22","date_gmt":"2022-01-21T14:57:22","guid":{"rendered":"https:\/\/rosierockt.at\/?p=380"},"modified":"2022-01-21T15:57:23","modified_gmt":"2022-01-21T14:57:23","slug":"eine-frage-der-organisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rosierockt.at\/?p=380","title":{"rendered":"Eine Frage der Organisation"},"content":{"rendered":"\n<p>Mein Leben, wie ich es mir vornehme:<\/p>\n\n\n\n<p>Um 18:00 Uhr steht das Abendessen auf dem Tisch. Die Familie diniert in trauter Dreisamkeit, wobei der Mann und ich uns l\u00e4chelnd dabei abwechseln, mit dem L\u00f6ffelflugzeug auf des Kindeleins ge\u00f6ffneten Mund zuzuschweben, und so jeden Bissen mit angemessenem Entertainment zu begleiten. Nach dem Essen genie\u00dfen Papa und B\u00e4rli noch etwas Qualitytime miteinander, w\u00e4hrend ich den Geschirrsp\u00fcler ein- und die K\u00fcche aufr\u00e4ume. Danach lege ich mir mein Gewand f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag zurecht, packe meinen Rucksack, checke meinen Kalender, um zu sehen, ob ich an alles gedacht habe, und stelle f\u00fcrs Kind ein bezauberndes Outfit f\u00fcr morgen zusammen. Ich gehe duschen, bringe erst Rosie und dann mich selbst ins Bett, lese noch ein paar Seiten, und um 21:30 Uhr drehe ich das Licht ab und schlafe ein. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Tag klingelt um 06:15 Uhr der Wecker. Gut ausgeschlafen stehe ich auf, gehe ins Bad, tausche Brille gegen Kontaktlinsen und schwebe 15 Minuten sp\u00e4ter gewaschen, frisiert, geschminkt und gut angezogen wieder heraus. In der K\u00fcche mache ich mir den ersten Kaffee des Tages, den ich in Ruhe trinke.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 06:45 Uhr \u00f6ffne ich vorsichtig Rosies Zimmert\u00fcre, sie blinzelt mich verschlafen l\u00e4chelnd an, ich hebe sie aus dem Bett und wir kuscheln erst mal ausgiebig. Dann lege ich sie auf den Wickeltisch, plaudere mit ihr, w\u00e4hrend ich ihr das bezaubernde Outfit, das schon bereit liegt, anziehe, und trage sie anschlie\u00dfend in die K\u00fcche. Dort mache ich ihr einen Pancake, und helfe ihr geduldig dabei, diesen mit ihrer kleinen Gabel selbst zu essen. Danach bestreiche ich ihr ein Butterbrioche mit Marmelade als Kindergartenjause, und lege wegen der Vitamine noch ein paar frische Erdbeeren dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 07:30 Uhr sind wir mit dem Fr\u00fchst\u00fcck fertig und gehen ins Bad, wo ich Rosie die Z\u00e4hne putze, ihr die Haare frisiere und einen Zopf mache. Dann ziehe ich ihr Schuhe und Weste an, schl\u00fcpfe in meine Jacke, schnappe mir unsere bereitstehenden Rucks\u00e4cke und meinen Schl\u00fcssel, und um 07:50 Uhr sitzen wir im Auto, um p\u00fcnktlich um 08:00 Uhr im Kindergarten einzutreffen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mein Leben, so wie es wirklich l\u00e4uft:<\/p>\n\n\n\n<p>Um 18:00 Uhr k\u00fcndigt das Klingeln des Ofens an, dass das Essen fertig ist, w\u00e4hrend mir einf\u00e4llt, dass ich eigentlich noch einen Salat dazu machen wollte. Das Kind sitzt bereits am Tisch und rei\u00dft den Mund weit auf, um zu signalisieren, dass Mama jetzt endlich Futter ranschaffen sollte. Also richte ich ihr schon mal eine Portion an, damit der Mann mit der Raubtierf\u00fctterung beginnen kann, w\u00e4hrend ich den Salat wasche. Bis auch unsere Teller endlich gef\u00fcllt am Tisch stehen, haben Mann und Kind erst zwei bis drei Bissen geschafft, denn nur, weil Rosie lautstark nach ihrem Essen verlangt, hei\u00dft das noch lange nicht, dass sie auch bereit ist, es auch zu sich zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Essen versuchen der Mann und ich, einander die F\u00fctterungsverantwortung zu \u00fcbergeben, in der Hoffnung, dass der andere heute mehr Nerven und daher auch Erfolg dabei hat, unter m\u00f6glichst wenig Protest m\u00f6glichst viele Kalorien ins Kind zu f\u00fcllen. Irgendwann geben wir resigniert auf und versuchen, Rosie zumindest noch von einem m\u00f6glichst zuckerhaltigen Nachtisch zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der Mann das Kind in eine frische Windel und einen Pyjama steckt, um sie f\u00fcr ihre p\u00e4dagogisch wertvolle abendliche Fernsehzeit vorzubereiten, lasse ich mich mit einem Glas Wein auf die Couch fallen, und schreibe ein paar WhatsApps an meine Freundinnen, zu denen ich tags\u00fcber nicht gekommen bin. W\u00e4hrend Rosie fernsieht, zwinge ich mich, die n\u00f6tigsten Arbeiten in der K\u00fcche zu erledigen, damit mich am n\u00e4chsten Tag beim Anblick eingetrockneter T\u00f6pfe und pickender Arbeitsfl\u00e4chen nicht der Schlag trifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach werfe ich das Kind ins und mich selbst aufs Bett, schaue mir irgendeinen Stumpfsinn auf Netflix an oder scrolle mich durch lustige Memes und Reddit Posts, um mein Hirn nach einem langen Tag herunterzufahren. Gegen 21:30 Uhr komme ich drauf, dass ich noch duschen sollte, und stehe \u00e4chzend und seufzend auf, um mich ein bisserl zu kultivieren. Um 21:45 Uhr falle ich wieder ins Bett, mit dem fixen Vorsatz, nur noch schnell einmal auf Facebook zu schauen, und den einen Artikel fertig zu lesen, den ich vor dem Duschen angefangen habe. Als ich das n\u00e4chste Mal auf die Uhrzeit achte, ist es 23:55 Uhr. Ich lege also schnell mein Telefon auf den Nachttisch, denke mir, dass ich jetzt aber wirklich schnell einschlafen muss, und schlafe deswegen nat\u00fcrlich genau nicht schnell ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich mal wieder vergessen habe, mir einen Wecker zu stellen, weckt mich tags darauf das kindliche Qu\u00e4ken gegen 06:40 Uhr. Ich versuche, Rosie zwei bis drei Mal \u00fcber die Walkie Talkie Funktion des Babyphones zu \u00fcberreden, mir noch ein paar Minuten zu g\u00f6nnen, w\u00e4hrend ich tief in mir nach der Motivation suche, aufzustehen. Um kurz vor sieben Uhr hole ich sie dann tats\u00e4chlich aus dem Bett, verpasse ihr eine frische Windel und h\u00f6re mir das erste Br\u00fcllkonzert des Tages an, weil ich ihr klarmachen muss, dass wir jetzt leider kein Buch anschauen k\u00f6nnen. Danach entscheide ich, je nach Fleckenintensit\u00e4t auf dem Vortagesgewand, wie viele frische Kleidungsst\u00fccke heute ben\u00f6tigt werden, zupfe ein paar Teile aus dem Kasten und hoffe, dass das, was ich dem Kind (unter Protest) \u00fcber den instabilen Rumpf und die spastischen Gliedma\u00dfen ziehe, halbwegs zusammenpasst, und sie nicht aussieht, als w\u00e4re sie einem Altkleidersack entsprungen. Diese Aktion dauert, wie immer, l\u00e4nger als geplant, weil ich nach vier Jahren immer noch nicht gelernt habe, dass das Bekleiden eines ICP Kindes einen nicht unbetr\u00e4chtlichen Zeitaufwand darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick auf die Uhr entscheidet die Fr\u00fchst\u00fccksfrage: Grie\u00dfkoch, f\u00fcr was anderes ist keine Zeit mehr. W\u00e4hrend der Topf auf dem Herd steht, werfe ich eine Milchschnitte in Rosies Kindergartenrucksack, und lege wegen der Vitamine noch ein Obstquetschi dazu. Dann f\u00fclle ich meinen ToGo-Becher mit einem Kaffee f\u00fcr sp\u00e4ter, und beginne, Rosie ihren Brei mit den Worten \u201eMama macht das jetzt, f\u00fcr selber essen haben wir keine Zeit!\u201c in den Mund zu l\u00f6ffeln, was, wie man sich vorstellen kann, auf m\u00e4\u00dfige Begeisterung st\u00f6\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer noch im Pyjama laufe ich danach ins Schlafzimmer und ziehe eine Hose aus meinem Kasten. W\u00e4hrend des Anziehens bemerke ich, dass sie mir zu eng ist, aber da ich eh schon sp\u00e4t dran bin, denke ich mir \u201eschei\u00df drauf\u201c, ziehe den Bauch ein und schlie\u00dfe den Knopf. Dann ziehe ich mir ein Shirt \u00fcber den Kopf, binde mir die Haare zu einer Frisur zusammen, die wirklich nur dazu dient, dass sie mir nicht mehr ins Gesicht fallen, und stelle mit einem Blick in den Spiegel fest, dass ich aussehe wie eine strubbelige Presswurst mit Augenringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Zeitgr\u00fcnden w\u00fcrde ich gerne aufs Schminken verzichten, da f\u00e4llt mir pl\u00f6tzlich ein, dass ich am Vormittag einen Termin mit der Krankenkasse habe, der Selbstbewusstsein und daher ein Mindestma\u00df an Styling voraussetzt. Also schnell ab ins Bad und Lidstrich, Wimperntusche und Concealer ins Gesicht geklatscht. Derart schadensbegrenzt laufe ich zur\u00fcck in die K\u00fcche, um das Kind zu holen, und bugsiere mit der Linken den Rolli, mit der Rechten meinen Kaffeebecher und mit den Z\u00e4hnen Rosies Rucksack ins Bad. Mittlerweile ist es 07:45 Uhr, und wir haben noch f\u00fcnf Minuten Zeit, um Z\u00e4hne zu putzen, Rosies Locken einmal durchzuk\u00e4mmen, und unsere Schuhe und Jacken anzuziehen. Kann sich ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Badezimmerblitzaktion und dem zweiten Messy Bun des Tages, diesmal f\u00fcrs Kind, kicke ich unsere Sachen mit dem Fu\u00df in Richtung Eingangst\u00fcre, und sammle am Weg dorthin Rosies ICP Sandalen auf, die sie im Kindergarten anziehen sollte. Dann m\u00f6chte ich noch schnell meine Kopfh\u00f6rer in meinen Rucksack packen, nur leider kann ich sie, mal wieder, nicht finden. Also nochmal zur\u00fcck in die K\u00fcche, ins Schlafzimmer, und ins Bad. Meine hektische Suche wird begleitet von lautem Fluchen, genervtem Knurren und dem ein oder anderen verzweifelt ausgesto\u00dfenen \u201eDas kann jetzt nicht wahr sein!!!\u201c Schlie\u00dflich finde ich die Kopfh\u00f6rer durch Zufall, als ich \u00fcber meine am Boden liegende Pyjamahose stolpere, aus deren Tasche sie dabei fallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist jetzt 07:56 Uhr, und ich murmle ununterbrochen \u201eoida, oida, oida, oida\u201c vor mich hin, weil wir noch nicht mal die Schuhe anhaben, und ich Kind und Rolli auch noch ins Auto packen muss. Also springe ich in meine Sneakers, stopfe Rosie in ihre Winterjacke und rei\u00dfe die Haust\u00fcre auf. Und das ist der Moment, in dem endlich so richtig in mein Bewusstsein vordringt, was ich zwar irgendwie schon gesehen, aber noch nicht mit allen Konsequenzen bedacht habe, n\u00e4mlich, dass es in der Nacht geschneit hat, und das Auto mit einer dicken, angefrorenen wei\u00dfen Schicht \u00fcberzogen ist. Ich lasse den Kopf h\u00e4ngen und akzeptiere resigniert, dass wir heute mal wieder gar nicht p\u00fcnktlich sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa einem Monat hat eine gute Freundin zu mir gesagt: \u201eIch muss dir mal ein gro\u00dfes Lob aussprechen, du bist immer so unglaublich organisiert!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal, wenn ich schlecht drauf bin, dann denke ich daran, und lache und lache und lache\u2026<\/p>\n<div class=\"sharedaddy sd-sharing-enabled\"><div class=\"robots-nocontent sd-block sd-social sd-social-icon sd-sharing\"><h3 class=\"sd-title\">Teilen mit:<\/h3><div class=\"sd-content\"><ul><li class=\"share-twitter\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-twitter-380\" class=\"share-twitter sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/rosierockt.at\/?p=380&amp;share=twitter\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um \u00fcber Twitter zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-facebook\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"sharing-facebook-380\" class=\"share-facebook sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/rosierockt.at\/?p=380&amp;share=facebook\" target=\"_blank\" title=\"Klick, um auf Facebook zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klick, um auf Facebook zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-jetpack-whatsapp\"><a rel=\"nofollow noopener noreferrer\" data-shared=\"\" class=\"share-jetpack-whatsapp sd-button share-icon no-text\" href=\"https:\/\/rosierockt.at\/?p=380&amp;share=jetpack-whatsapp\" target=\"_blank\" title=\"Klicken, um auf WhatsApp zu teilen\"><span><\/span><span class=\"sharing-screen-reader-text\">Klicken, um auf WhatsApp zu teilen (Wird in neuem Fenster ge\u00f6ffnet)<\/span><\/a><\/li><li class=\"share-end\"><\/li><\/ul><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Leben, wie ich es mir vornehme: Um 18:00 Uhr steht das Abendessen auf dem Tisch. 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